Grußwort Schirmherrin

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens  © MGEPA NRW / Foto: Franklin Berger

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens
© MGEPA NRW
Foto: Franklin Berger

In Nordrhein-Westfalen sind etwa 100.000 Personen an Anorexie- und 300.000 Personen an Bulimie erkrankt – mit gravierenden, oft lebensbedrohlichen Folgen für die betroffenen Menschen. Es sind meist junge Menschen, die erkranken – vor allem Frauen, zunehmend aber auch Männer.

Wir stehen oft hilflos vor den jungen Frauen und Männern. Die Frage nach dem „Warum“ können wir nicht wirklich beantworten. Was wir wissen ist, dass die Ursache einer Ess-Störung auch in gesellschaftlichen Fehlentwicklungen liegt. In überzogenen und falschen Vorstellungen von Schönheit etwa, oder in dem von der Gesellschaft ausgehenden Druck, diesen Ansprüchen gerecht zu werden.

Ich bin überzeugt: Wir brauchen ein Umdenken, eine Neujustierung unserer Werte, die uns freier macht von solch krankmachenden Idealen. Dies gelingt nur auf breiter gesamtgesellschaftlicher Ebene. Wir alle sind aufgefordert, ein Umdenken einzuleiten.

Überdies spielen Ursachen auf individueller Ebene eine Rolle. Unbewältigte Ängste und Konflikte, Probleme bei der Identitätsfindung, traumatische Erlebnisse in der Kindheit oder überzogene familiäre Erwartungen. Wenn das Selbstwertgefühl und die Selbstwahrnehmung einmal verletzt sind, steigt das Risiko, eine Ess-Störung zu entwickeln, stark an.

Es ist notwendig zu erkennen, welche Bedeutung Essen, Ernährung für das persönliche Wohlbefinden haben. Wir alle wissen: Eine tragfähige Balance zwischen körperlichem, seelischem und sozialem Wohlbefinden herzustellen, ist schwer. Sie muss immer wieder neu austariert werden. Wer aus der Balance gerät, muss die Unterstützung bekommen, die erforderlich ist, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen und innere Stabilität wiederzuerlangen.

Genau hier setzt die Ausstellung „Klang meines Körpers“ an. Neben der Vermittlung von Informationen spricht sie die emotionale Ebene der Besucherinnen und Besucher an. Sie ermuntert, die Signale des eigenen Körpers zu erkennen und auf kreative Weise über Probleme zu sprechen, die oft schwer in Worte zu fassen sind. Und sie stärkt die Besucherinnen und Besucher, weil sie mit allen Sinnen erfahrbar ist und so viel besser die Herzen der Menschen erreicht.

Die große Akzeptanz, die das Projekt bei den erkrankten Menschen erfährt, beruht nicht zuletzt auch darauf, dass die Betroffenen von Anfang an in die konzeptionelle Entwicklung und Umsetzung eingebunden waren. Sie haben ihre Stärken und Ressourcen eingebracht. Ich freue mich sehr, dass „Klang meines Körpers“ jetzt landesweit in NRW gezeigt wird und wünsche der Ausstellung viel Erfolg.

Barbara Steffens
Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter
des Landes Nordrhein-Westfalen