Jugendliche

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Psychisch gesund bleiben, aber wie?

Psychisch gesund zu bleiben heißt nicht, immer alles perfekt hinzubekommen. Stress, Streit oder Probleme gehören zum Leben dazu. Wichtig ist eher, wie du damit umgehst. Eine gute Grundlage hilft dir dabei: genug Schlaf, ein einigermaßen geregelter Alltag und ein Mix aus Aktivität und Pause. Nimm dir bewusst Zeit, um runterzukommen – zum Beispiel beim Spazieren, Musik hören oder einfach mal nichts tun. Auch echte Beziehungen sind wichtig.

Es geht nicht um Follower oder Likes, sondern um Menschen, mit denen du ehrlich reden kannst und bei denen du dich nicht allein fühlst. Versuch außerdem, mehr auf dich selbst zu hören: Wie geht es dir gerade? Was brauchst du? Sätze wie „Ich bin überfordert“ oder „Ich brauche gerade eine Pause“ helfen, deine Gefühle besser zu verstehen. Und: Sei nicht zu streng mit dir. Schlechte Tage, Fehler oder Phasen, in denen es nicht läuft, sind völlig normal. Das bedeutet nicht, dass alles schlecht ist. Versuch, auch die positiven Dinge wahrzunehmen – zum Beispiel mit einem kleinen Dankbarkeitstagebuch. Wenn du merkst, dass es dir über längere Zeit schlecht geht – z. B. du ständig müde, gereizt oder traurig bist – dann hol dir Hilfe. Mit jemandem zu reden ist völlig okay und zeigt Stärke.

Am Ende gilt: Hör auf dich, nimm deine Gefühle ernst und geh Schritt für Schritt.

Wie entstehen Essstörungen?

Essstörungen entstehen nicht einfach „so“. Dahinter steckt oft ein tiefer seelischer Schmerz, den man von außen gar nicht sofort sieht.

Gründe

Belastende Gefühle

Essstörungen entstehen nicht grundlos. Hinter ihnen stehen oft belastende Gefühle wie Unsicherheit, Überforderung, Angst oder Einsamkeit.

Gründe

Sozialer Druck

Auch der gesellschaftliche Druck hat einen großen Einfluss. Vielleicht kennst du das auch: Auf Social Media sieht alles perfekt aus – perfekte Körper, perfektes Leben. Aber diese Bilder sind meistens nicht real. Trotzdem vergleicht man sich und hat schnell das Gefühl, nicht gut genug zu sein.

gründe

Kommentare

Abwertende Kommentare über Aussehen oder Gewicht können zusätzlich verletzen und das Selbstbild nachhaltig prägen. Wenn dann noch Probleme im familiären Umfeld dazukommen oder das Gefühl entsteht, nicht verstanden zu werden, verstärkt sich die innere Belastung oft weiter.

mögliche Folgen

In solchen Situationen kann das Essverhalten zu einem „unglücklichen“ Versuch werden, mit belastenden Gefühlen und Gedanken umzugehen. Manche Jugendliche essen mehr, andere weniger oder erbrechen sich, um für einen Moment Erleichterung oder ein Gefühl von Kontrolle zu spüren. Doch dieses Gefühl hält nicht lange an – und oft wird alles danach noch schwerer. Die Probleme können sich verstärken und auch körperlich und seelisch ernsthafte Folgen haben.

Deshalb ist es wichtig zu verstehen: Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen und keine bloße Phase oder Diät. Sie verdienen Aufmerksamkeit, Verständnis und professionelle Unterstützung. Je früher Hilfe in Anspruch genommen wird, desto größer ist die Chance, Schritt für Schritt einen Weg aus dieser schwierigen und oft sehr belastenden Situation herauszufinden.

Wie erkennst du eine Essstörung?

Eine Essstörung zu erkennen ist gar nicht immer so leicht. Deshalb ist es wichtig, auf typische Anzeichen zu achten – bei dir selbst oder bei anderen. Je früher wir merken, dass etwas nicht stimmt, desto besser können wir etwas dagegen tun.

Vielleicht kennst du das

Hast du manchmal das Gefühl, dein Verhältnis zum Essen ist nicht „normal"? Hast du Angst an einer Essstörung zu leiden?

Hier eine kleine „Checkliste" für dich.

Vielleicht kennst du das:

  • Ich denke ständig an Essen oder mein Gewicht.
  • Ich habe Angst zuzunehmen.
  • Ich esse heimlich.
  • Ich habe Essanfälle.
  • Ich fühle mich nach dem Essen schuldig.
  • Essen bestimmt meinen Alltag.

Trifft einer oder mehrere Punkte auf dich zu?

Dann sprich auf jeden Fall mit einem dir nahestehenden Menschen darüber!

Bleib mit deinen Gedanken, Ängsten, Nöten nicht alleine! Lass dir helfen!

Welche Formen von Essstörungen gibt es?

Magersucht (Anorexie)

Menschen mit Anorexie sind stark untergewichtig, fühlen sich aber trotzdem „zu dick“. Sie essen extrem wenig und treiben oft viel Sport, um weiter abzunehmen. Ihr Blick auf den eigenen Körper ist verzerrt – sie sehen nicht, wie dünn sie wirklich sind.

Bulimie

Bei Bulimie haben viele ein ganz normales Gewicht, deshalb fällt die Krankheit oft lange nicht auf. Es kommt zu Essanfällen, bei denen große Mengen gegessen werden. Danach versuchen die Betroffenen meist, das Ganze rückgängig zu machen, zum Beispiel durch Erbrechen. Dabei haben sie oft starke Schuldgefühle.

Binge-Eating

Hier kommt es auch zu regelmäßigen Essanfällen, meistens heimlich und alleine. Anders als bei Bulimie versuchen die Betroffenen aber nicht, das Essen danach „loszuwerden“. Das kann langfristig zu Übergewicht führen.

Muskeldysmorphie

Das ist streng genommen keine klassische Essstörung, hat aber ähnliche Anzeichen. Betroffene wollen unbedingt den „perfekten“ Körper und setzen dabei stark auf Muskelaufbau. Dafür trainieren sie extrem viel und nehmen oft Nahrungsergänzungsmittel.

Wo findest du Hilfe und Unterstützung?

Du musst damit nicht allein bleiben.

Es gibt Wege, wie du Unterstützung finden kannst. Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein mutiger und wichtiger Schritt. Warte damit nicht zu lange.


So kann Hilfe aussehen


  1. Mit einer Vertrauensperson sprechen
  2. Hausärzt*innen oder Kinder- und Jugendärzt*innen
  3. Beratungsstelle
  4. Psychotherapie
  5. Klinik oder Tagesklinik


Vielleicht fühlt sich dein Verhältnis zum Essen gerade schwierig an. Vielleicht bist du oft unzufrieden mit deinem Körper oder merkst, dass sich deine Gedanken ständig um Essen oder dein Gewicht drehen. Vielleicht hast du auch Angst, dass sich daraus eine Essstörung entwickelt haben könnte. Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist damit nicht allein, auch wenn es sich manchmal so anfühlt.


Es kann schon unglaublich entlastend sein, mit jemandem zu sprechen, dem du vertraust – eine Freundin, ein Freund, ein Elternteil oder eine andere Person, bei der du dich sicher fühlst.


In vielen Städten gibt es Beratungsstellen für Essstörungen. Wenn du keine solche Stelle findest, können dir auch Sucht-, Erziehungs- oder Mädchen- und Frauenberatungsstellen weiterhelfen. Auch Kinder- und Hausarztpraxen sind gute erste Anlaufstellen. Dort kannst du gemeinsam besprechen, welche Hilfe für dich passend ist. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen!


Konkrete Hilfsangebote

Telefonberatung

Wenn du weitere Informationen über Essstörungen benötigst, kannst du kostenlos das Infotelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit nutzen. Hier kannst du mit erfahrenen Berater*innen sprechen, die dich unterstützen.


Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)

(Anonymes) BIÖG-Infotelefon zu Essstörungen: 0221 892031

Montag – Donnerstag: 10:00 – 22:00 Uhr

Donnerstag – Sonntag: 10:00 – 18:00 Uhr

Vielleicht könnte auch das Angebot der „Nummer gegen Kummer“ etwas für dich sein. Auch hier erfährst du von erfahrenen Berater*innen Hilfe bei allen Themen, die dir Sorgen machen: Mobbing, Angst, Essstörungen, Depression, …

Montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr kannst du dich unter der kostenlosen Rufnummer 116 111 melden. Das gilt für Anrufe aus Deutschland.

Onlineberatung (bundesweit)

Beratungsstelle Waage e.V., Hamburg

Auch InCogito bietet Chat-Beratung und Online-Gesprächsgruppen an.

In den angeleiteten Gesprächsgruppen rund um das Thema Körper, Essen, Selbstbild kannst du dich online mit Menschen, denen es ähnlich geht wie dir, treffen.

Ambulante und stationäre Therapie

Unterstützung bei der Suche nach einer Arzt- oder Psychtherapiepraxis findest du unter: 116117.de - Psychotherapie

Übersicht von Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie: Klinikfinder

Und noch ein kreativer Tipp für dich

Kreativität bietet eine gute Möglichkeit, den eigenen Gefühlen und Gedanken Ausdruck zu verleihen – besonders dann, wenn es schwerfällt, das Erlebte in Worte zu fassen. Egal ob durch Malen, Schreiben oder Musik: Das Gestalten hilft dir dabei, die eigene Innenwelt für dich selbst und für andere sichtbar zu machen. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Klang meines Körpers“, dessen Beiträge von Jugendlichen auch heute noch viele Menschen bewegen. Gerade bei der Bewältigung einer Essstörung kann die kreative Arbeit eine therapeutische Behandlung sinnvoll unterstützen. Wenn im Gespräch mit Therapeut*innen die passenden Worte fehlen, kannst du dich durch deine Werke mitteilen. Es kann daher ein hilfreicher Schritt sein, zum nächsten Therapiegespräch ein Bild, ein Lied oder einen Text mitzubringen, der die aktuelle Stimmung widerspiegelt oder dir einfach gut tut. Kreative Ideen und Werke findest du hier: